Ein kleines Geständnis

Es gibt eine einfache Wahrheit: Man muss sich immer zwingen, etwas zu machen. Sogar wenn es ein beliebtes Hobby ist… Und ich finde Tausende von Gründen, etwas beiseite zu legen, die mir Freude bringt:
– Ich bin entweder zu müde;
– oder heute ist der falsche Tag, ich mache’s morgen
– oder… Ich denke, ich schaffe es einfach nicht.

Der letzte Grund ist am schrecklichsten. Als ob ein kleiner Teufel auf meinem Schulter sitzt und in mein Ohr flüstert, dass es überhaupt keine Rolle spiele. „Warum machst du nicht etwas Anderes? Deine Texte sind zu schlecht, und du kannst nie etwas Besseres schreiben.“ Ich bin überzeugt, ich bin nicht die einzige Person mit solchen Gedanken. Deswegen habe ich (wahrscheinlich) so lange hier nicht gepostet. Schande über mich.

Ich habe einmal einen sehr klugen Satz gehört. Die Person, die diese Worte gesagt/geschrieben hatte, würde ich sehr gerne bedanken.

„Man muss nicht träumen, sondern ein Ziel setzen.“

Träumen ist etwas oft Unerreichbares. Man kann zum Beispiel auf dem Rasen sitzen, zu den Sternen aufblicken und träumen, dass man einen Tag in den Weltraum fliegt. Und dann bleibt man einfach weiter sitzen.

Wenn man ein Ziel hat, ist er gezwungen, jeden Tag daran zu arbeiten, um diesem Ziel näher zu kommen. Und ich will keine Träumerin sein, sondern mein Ziel erreichen.

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[Photo: /ezgipolat]

You do (not) know how the story goes…

Viele sagen, um eine gute Kurzgeschichte schreiben zu können, muss man einen Plan machen. Und es stimmt. Als ich einmal einer Freundin eine Idee von einer neuen Kurzgeschichte mitteilte, stellte sie mir sofort zehntausend Fragen: Wo passiert das alles? Mit wie vielen Charakteren? Wie beendet die Geschichte? Damals konnte ich ihr nichts sagen. Es war nur eine Idee, die in meinem Kopf auftauchte.

Nun wenn ich zu schreiben anfange, weiß ich schon, wie die Story sich entwickelt. Dh der Plan ist schon vorhanden, demnach kann ich alle zehntausend Fragen beantworten. Es ist mir klar, wie die Geschichte beginnt, was in der Mitte passiert und wie die sich beendet. Aber…

Schon beim Schreiben nimmt die Geschichte manchmal eine unerwartete Wendung, was nicht zu dem Plan passt. Plötzlich leben die Charaktere ihr eigenes Leben. Ja, der Plan ist immer nötig. Aber man weiß oft bis zur letzten Sekunde selbst nicht, wie die Handlung sich entwickelt. Zumindest ich…

 

[photo: /carterbedloesmith]

 

Schreiben? Schreiben… Schreiben!

Drei einfache Wahrheiten für alle, die ihre Schreibenfähigkeiten verbessern möchten:

1. SCHREIBEN, SCHREIBEN, SCHREIBEN

Immer und überall. Jeden Tag Zeit dafür finden.
Auf keinen Fall auf die Inspiration warten. Sage nicht: Ach, nein, heute hab ich keine Lust und keine Ideen. Die Inspiration kommt oft in dem Moment, wenn man anfängt
zu schreiben.

2. NEUE ORTE = NEUE IDEEN

Es ist auf jeden Fall wunderschön, einen wohnlichen Arbeitsplatz zu Hause auszustatten. Im Schlafzimmer, in der Küche oder in einem separaten Zimmer vor dem Laptop mit
einer Tasse Tee und mit den Fingern auf der Tastatur. Aber man soll auch neue Orte fürs Schreiben entdecken. Es geht hier aber nicht nur darum, die Komfortzone
einfach zu verlassen, aber auch eine neue Komfortzone für sich zu schaffen. Probiere mal, die Tastatur und den Blick auf die Wand für einen Bleistift und einen
gemütlichen Sitz in einer Cafe oder, wenn es wieder Sommer ist, in einem Park zu ersetzen.

3. KURZ UND EINFACH

Beim Schreiben ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass andere Leute den Text lesen werden. Jeder soll sich an der Stelle von den Lesern vorstellen.
Und viele würden zustimmen, sehr lange Sätze sind schwieriger zu verstehen. Ich gehe oft tief in Gedanken versunken, als ich einen Text verfasse und vergesse oft, dass
ich nicht nur für mich selbst schreibe.
Ich biete zwei Methoden der Textbearbeitung an: (1) sehr lange und komplizierte Phrasen mit einem Wort oder ein paar Wörter zu ersetzen; (2) einen langen Satz in
kleinere Teile zu brechen.

 

Ich hoffe, jemand findet das hilfreich. Ich würde gerne andere Ideen und Vorschläge in den Kommentaren lesen und darüber diskutieren 🙂

„Split“, Ode an die Schauspielkunst

Ich wartete, wie viele andere, auf die Premiere von „Split“ (Reg. M. Night Shyamalan), die in Russland am 16. März („ein bisschen“ verspätet) stattfand. Ich ging ins Kino am selben Tag, weil, wie James McAvoy wieder einmal einen Verrückten spielte, war nicht zu übersehen („Filth“, „ShakespeaRe-Told“, „Victor Frankenstein“), die meiner Meinung nach seine beste Rollen waren. Deswegen ist seine Kandidatur für die Rolle von einem Mensch mit multiplen Persönlichkeitsstörung unumstritten.

Schon vor der Veröffentlichung des Films waren die Bewertungen sogar von dem Filmtrailer gemischt. Aber, wie man sagt, Don’t judge a book by its cover, dh man soll den Film von seinem Trailer nicht beurteilen. Obwohl zum einen sagte man, der Trailer sei so banal und langweilig, zum anderen, dass der Angst verursachte. Ich persönlich ging, um den Film zu sehen, mit einer gewissen Vorsicht, vielleicht wegen meiner übermäßigen Empfindlichkeit. Auch im Kino schaute ich manchmal unmerklich auf meine Knien in jedem Moment, wenn ich dachte, dass jetzt im Film etwas passieren könnte, was mir viel Angst machen würde.
So etwas geschah nicht. Der Film war kaum fürchterlich. Trotz des Genres gab es lustige Momente. Und ich beschreibe jetzt die Reaktion des Publikums – ab und zu hörte ich Gelächter.

Bewertungen des Films sind auch ziemlich zweideutig. Ich muss sagen, der Film ist nicht der beste von denen, die ich sah, aber auch nicht der schlechteste. Meiner Meinung nach entspricht der Film der Rating-Bewertung auf der Website Rotten Tomatoes – 76 %. Ich hätte den Film auch eine solche Bewertung vorgenommen.

Aber ich bin keine Kritikerin. In diesem Post schreibe ich darüber, was meine Aufmerksamkeit am meisten gezogen hatte, wovon ich begesitert war und was mir zu denken gegeben hatte.

Um damit zu beginnen, ein bisschen über die Handlung des Films für die Menschen, die den Film noch nicht gesehen hatten. Spoilerfrei.

Nach einer Geburtstagsfeier wollen drei junge Mädchen im Schulalter nach Hause gehen. Sie sitzen in einem Auto, während der Vater des Geburtstagskind die Taschen in den Kofferraum lädt, bevor er hinter dem Lenkrad setzt. Aber… *Trommelwirbel* der Protagonist des Films (James McAvoy) erscheint auf dem Bildschirm im Fahrersitz. Er kidnappt die Mädchen. Bald stellt sich heraus, dass die Hauptfigur, die im Film Kevin heißt (Ich werde den vollen Namen nicht nennen), von multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Laut der Handlung „leben“ in Kevin 23 Persönlichkeiten, ohne die 24ten zu berücksichtigen, die zum Ende des Films „aufwacht“ und das Zentrum des Filmhöhepunktes ist. Auf dem Bildschirm werden neun von dieser Persönlichkeiten gezeigt.

Das Merkwürdigste für mich war – wie James McAvoy neun einzelne Charaktere darstellen konnte. Ich stelle die Ansicht mancher Kritiker in Frage, die behaupten, dass der Unterschied dazwischen nur in der Veränderung des Aussehens ist. Jede der Persönlichkeiten war dank seinem Spiel zu erkennen. Es ist besonders in einer Szene auffällig, wo seine innere Persönlichkeiten eine nach der anderen innerhalb von nur wenigen Minuten „ans Licht kommen“. Ich denke, für einen Schauspieler ist das eine ziemlich komplizierte und doch interessante Aufgabe. Und es ist James McAvoy gelungen, mit der Aufgabe zu bewältigen. Jeder Charakter, oder jede einzelne Persönlichkeit innerhalb von Kevin sind sorgfältig bedacht. Für jede Persönlichkeit sind eine Stimme, Intonation, Gestik und Mimik gewählt. Jede Persönlichkeit innerhalb von einem Körper schien einzigartig. Es ist auch bemerkenswert, dass es in dem Film eine Menge Nahaufnahmen gibt. Dank des guten Spiels und des Filmoperateurs, war es einfach zu verraten, welche von den Kevins Persönlichkeiten in einem oder anderem Moment auf dem Bildschirm erschien.

Der Film „Split“ von Anfang an nimmt Aufmerksamkeit, enthält interessante Gespräche und sehr lustige Momente. Doch gegen Ende des Films auf dem Bildschirm geschah etwas, das mich in die Realität zurückbrachte, es fiel mir ein, dass ich in einem Kino saß, und wollte mir sagen: „Puh, was für ein Unsinn …“. Einerseits ist multiple Persönlichkeitsstörung, oder wie es in der wissenschaftlichen Gemeinschaft auch genannt ist, dissoziative Identitätsstörung, eine existierende Krankheit. Der Prototyp des Protagonisten ist Billy Milligan, der an dieser Erkrankung litt, auch mit etwa zwanzig Persönlichkeiten. Doch andererseits am Ende des Films schien es, die Phantasie von M. Night Shyamalan war schon vorbei, aber die Handlung musste weiter gehen, man musste etwas drastisch und unerwartet ändern. Kevin fing plötzlich an, sich in einen wilden und kugelsicheren Tier zu drehen.

Auf jeden Fall ist es nicht notwendig, die Handlung in Frage zu stellen, weil das die Vision von M. Night Shyamalan ist, und wer weiß, wie sonst noch der Plot entwickelt werden könnte. Es ist unwahrscheinlich, dass man einen Happy End erwarten würde. Dennoch gibt das Ende des Films ein klares Gefühl, dass das Drehbuch irgendwie aus dem Finger gesaugt ist, um den Zuschauer zu schockieren.

Zum Schluss: Der Film ist sehenswert. Aus Gründen des guten Spieles von James McAvoy, einer kompetenten Kameraarbeit, der lustigen Momente (zusammen mit den gruseligen). Aber erwartet nicht, dass es eurer Lieblingsfilm sein wird.

 

„E. M. Remarque liest man kaum…“

Als ich in Deutschland wohnte, war ich sehr überrascht, dass fast niemand da EM Remarque liest. Bei der Erwähnung seines Namens zuckt man normalerweise gleichgültig mit den Schultern und denkt gelegentlich an Remarques Buch „Im Westen Nichts Neues“ (1929). Und der Grund dafür ist, dass es mal auf großen Bildschirmen präsentiert wurde (1930, Lewis Milestone; 1979, Delbert Mann). Das heißt, alle in Deutschland assoziieren den Namen nicht mit dem Buch, sondern mit dem Film.
Wenn ich bei den Unterhaltungen über Literatur und Lieblingsbücher andere Werke von EM Remarque nannte, wie zum Beispiel „Drei Kameraden“ (1936), „Der schwarze Obelisk“ (1956) oder „Die Nacht von Lissabon“ (1962), fragten mich meine deutschen FreundInnen sehr ernst, wer die geschrieben hat.
Früher dachte ich sehr naiv, dass wenn ein Schriftsteller so beliebt und geliebt außerhalb ihres Heimatlandes ist, ist es so, weil sein Name so gut bekannt und seine Werke so weit verbreitet in seinem Land akzeptiert sind, und so geht diese Berühmtheit wie ein Echo über Grenzen seiner Heimat. In Russland ist Name EM Remarque oft zusammen mit anderen ausgezeichneten deutschen Schriftsteller, seinen Zeitgenossen, zu sehen, zum Beispiel Bertolt Brecht, Thomas Mann, Hermann Hesse und so weiter. Aber warum ist EM Remarque aus dieser Liste von den deutschen Autoren gestrichen?
Als Antwort auf diese Frage hörte ich die Annahme, dass eine mögliche Ursache dafür ist, dass EM Remarque nicht im Schullehrplan enthalten ist. Dann liegt der wahre Grund liegt nicht in den persönlichen Vorlieben der deutschen Leser, sondern in den Werke der Schriftsteller.
EM Remarque beschrieb sein Leben als eine von wesentlichen und kleinen ironischen Momente (1966, Die Welt). Das gilt insbesondere für die Zeit, danach EM Remarque sein Roman „Im Westen nichts Neues“ (1929) geschrieben hatte. Einerseits ist der Roman veröffentlicht, zuerst gedruckt (Zeitschrift „Sport im Bild“, Berliner Agentur „Ulstein“) und später basiert auf der Handlung des Buches ist ein Film gedreht (1930, Milestone). Andererseits schafft man verschiedene Hindernisse für die Verbreitung von dem Roman. Das harmloseste davon war ein Verzicht von S. Fischer Verlag darauf, den Roman zu veröffentlichen, weil, ihrer Meinung nach, niemand über den Krieg lesen wollte. Später nehmen die Nazis viel drastischere Maßnahme – sie brennen die Bücher „Im Westen nichts Neues“. Einerseits versuchen die Nationalsozialisten, die Vorführung des Films in Osnabrück zu stoppen, andererseits ist die Deutsche Liga für Menschenrechte gegen das Verbot.

 

Einerseits ist EM Remarque im Jahr 1931 dank Professor S. Zybichowski und N. Butler für den Friedensnobelpreis nominiert, andererseits ist der Bund Deutscher Offiziere dagegen. Seine Bücher fallen unter das Verbot und werden auf den Plätzen gebrannt. Der Schriftsteller ist 1938 der deutschen Staatsbürgerschaft entzogen. Es ist bemerkenswert, dass EM Remarque den wesentlichen Teil seines Lebens außerhalb von Deutschland verbrachte –  1932 zieht der Schriftsteller sich in die Schweiz, 1940 emigriert er nach den USA, wo er im Jahr 1946 die USA-Staatsbürgerschaft erhaltet, danach kommt er ab und zu nach Europa, darunter auch nach Berlin – schreibt EM Remarque immer über die Deutschen.

 

1950 Jahre. Der Krieg ist zum Ende. Regime und Zensur sind vorbei. Es gibt keine Hindernisse für die Veröffentlichung von der Romane – 1956 ist „Der schwarze Obelisk“ in Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch gedruckt. Später, 1961 ist der Roman „Die Nacht von Lissabon“ zuerst in der Zeitschrift „Welt am Sonntag“ und dann 1962 im Verlag Kiepenheuer & Witsch gedruckt. In den letzten Jahren seines Lebens wird EM Remarque für seine Werke anerkannt – 1963 bekommt er ein Möser-Medaille, 1967 in Bern ist der Schriftsteller mit einem Großkreuz ausgezeichnet. Nach dem Tod des Autors sind Filme nach seinen Bücher gedreht (1985, „Arc de Triomphe“, Waris Hussein), bis zum heutigen Tag sind auf den deutschen Bühnen Theaterstücke nach seinen Werke gespielt.

 

Und trotzdem ist es entschieden, die Werke von EM Remarque nicht in den deutschen modernen Lehrplan aufzunehmen. Und der wahrscheinliche Grund dafür ist, dass er über den Krieg schrieb, über der so genannten verlorenen Generation, das heißt, über den Menschen, deren Jugend mit den Kriegsjahren zusammenfiel. Durch den Protagonisten in seinen Bücher zeigt EM Remarque seinen Lesern das Leben und die durch den Krieg verursachten Probleme. Heutzutage wenn das alles ist schon Geschichte geworden, will niemand sich erinnern. Daran, wie es damals war, wenn EM Remarque seine Werke schrieb. Die Vergangenheit ist nicht zu löscht. Die liegt wie ein staubiges Skelett in dem dunklen Schrank der Geschichte. Die Vergangenheit ist da, aber niemand will das Skelett aus dem Schrank auszuholen und Staub abzublasen. Mit anderen Worten, ist EM Remarque heutzutage für Deutschland relevant. Diese Realitäten in seinen Bücher spielen keine Rolle mehr in der modernen Welt. Und es gibt keinen Grund zurück zu schauen.

(Bild: aus dem Film „Im Westen Nichts Neues, 1930)

 

 

“Who’s Afraid of Virginia Woolf?” – Ein Gang am Rand, oder Ein möglicher Grund für die Beliebtheit des Stückes von Edward Albee (1962)

Letzten Sonntag Abend fand ich mich in der fünften Reihe in einem kleinen Dramatheater, wo zu dieser Zeit zwei begabte Schauspieler eine emotionale Geschichte auf der Bühne erzählten.

Kurz nachdem das Play angefangen hatte, zwei Schauspieler auf die Bühne gekommen waren und ihre erste Worte gesagt hatten, hat eine verärgerte Frau hinter mir begonnen an einen Mann laut zu schreien, der versucht hat, seinen Stuhl vor ihr zu stellen und sich vor ihr hinzusetzen. Es schien, dass ihre Stimme besser zu hören war, als die von den Schauspieler auf der Bühne. Der Mann hat entschieden, mit der Frau nicht zu streiten, und ging weg. Die Frau schob die Stuhl demonstrativ zur Seite. Es schien, als ob das Publikum die angespannte Atmosphäre des Spiels schon von der ersten Minute gefühlt hätte. Dieses kleine Spektakel passte irgendwie auf mysteriöse Weise zu dem, was vor dem Publikum auf der Bühne geschah. Und die Schauspieler spielten weiter…

Vier Schauspieler. Drei Akten. Ein einfacher Plot auf den ersten Blick. Ein Ehepaar, Martha und George, kehren zurück nach Hause spät in der Nacht. Sie wollen ein anderes, junges Ehepaar, Biologielehrer Nick und seine Frau Honey zu sich einzuladen. Alle unterhalten sich und trinken. Alle drei Akten das gleiche Bühnenbild – ein Wohnzimmer mit einem Sofa und einem Sessel in der Mitte der Bühne, dahinter ist eine Tür, rechts ist eine Treppe in den zweiten Stock von Georges und Marthas Haus, ein Schrank mit Flaschen von Whisky und Brandy und ein Kamin, auf dem ein Bild von Marthas Vater steht, ein Präsident von dem College, in dem George als Lehrer der Geschichter arbeitet.

Während des ganzen Plays führen Martha und George ein ziemlich seltsames Spiel, dessen Regeln nur ihnen beiden bekannt sind. Sie scheinen zu versuchen, einander weh zu machen. Martha nutzt alle Gemeinheit und Brutalität, die sie in sich hat, und viele Schimpfwörter gegen ihrem Mann. George ist aber scharfzüngig und liebt es, böse Witze zu machen. Nick und Honey sind in diesem Spiel unwissentlich beteiligt.

Was die Charakter des Plays machen und sagen ist ein betrunkener Tanz auf der Messers Schneide. Jedesmal schien es, dass sie bald über die Grenzen des Zulässiges überqueren. Je näher zum Höhepunkt des Spieles, desto dünner sind die Grenzen. Manchmal schien es, sie würden sich alle am Ende umbringen. In einer Szene, springt George plötzlich auf seine Frau Martha zu und fängt an, ihr den Hals mit beiden Händen zusammenzupressen. Nick schlägt George ins Gesicht, und der fällt unbewusstlos auf den Boden, steht aber nach einiger Zeit wieder auf, und das Gespräch geht weiter. In diesem Moment waren alle auf diese Grenze zwischen dem Zulässigen und dem Unzulässigen, aber dann ging alles wieder gut.

Ich glaube, dieser gefährlicher Tanz auf der Messers Schneide ist der Hauptgrund, warum das Stück von Erward Albee (1962) auf den Bühnen der Welt noch zu finden ist. Wegen des Nervenkitzels, den die Zuschauer während des Spieles spuren. Es scheint oft, es wird etwas sehr Schlechtes irreversibel passieren, etwas ganz katastrophales, aber jedesmal geht alles weiter wie gewohnt.

Zum anderen, sobald das Publikum schon überzeugt ist, dass nichts Schreckliches geschehen kann, beweisen die Schauspieler auf der Bühne das Gegenteil. Martha ging George mit Nick fremd, in ihrem Versuch, ihm noch mehr weh zu tun, während seine Frau Honey im Badezimmer mit einer halbvollen Flasche Brandys auf dem Boden liegt. Danach beschimpft Nick George. Honey hört den Streit und fängt an zu schluchzen.

Diese Grenze zwischen dem Zulässigen und Unzulässigen ist noch bei einem Detail in dem Stück symbolisiert. Martha versucht immer wieder, von dem Sohn von Martha und George zu erzählen, obwohl George es ihr verbietet. Das heißt, die Information über ihren Sohn ist außerhalb der Grenzen des Zulässiges. Martha verstoßt gegen das Verbot, sie beachtet diese Grenze nicht. Am Ende des Stückes steht George in der Mitte der Bühne und erklärt laut, dass ihr Sohn tot ist. Martha weint, fällt auf den Boden und sagt, er hatte kein Recht, sich mit dieser Frage ohne sie zu befassen. Die Bedeutung von dieses Anspruchs ist unklar.

Die letzte Szene. Nick und Honey sind nicht mehr da. Auf der Bühne sind nur Martha und George, die nebeneinander auf dem Boden sitzen. Sie versuchen nicht mehr zu streiten und einander weh zu machen. Alle Grenzen und Regeln sind schon zerstört worden.